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Wir starten in die zweite Woche "neue Normalität"

Die erste Woche ist so wahnsinnig schnell vergangen...wow! So schnell wie plötzlich alles geschlossen war, so schnell war plötzlich alles wieder offen. Wahnsinn oder?

 

Bis gestern war noch alles verboten und Kinder waren die Buhmänner der Nation, dann hat man irgendwann festgestellt...oh man warte, Kinder bis 10 Jahre sind ja gar nicht so schlimm und dann dauerte es doch nochmal 2 Wochen Ungewissheit...bis plötzlich die Nachricht vom Kindergarten kam...Yeah ihr dürft ab Montag wieder jeden Tag kommen.

Natürlich gab es erstmal 10 verschieden Formulare mit Auflagen und Versicherungen und bla bla bla. Zum Glück bekommen die Kinder das nicht mit. 

 

 

Zurück im Kindergarten

Was sie allerdings mitbekommen ist der Ablauf im Kindergarten. Ich gebe meine Kinder mit Mundschutz vor dem Kindergarten ab, dort werden sie an ihre eigenen Gruppenwaschbecken geschickt zum Händewaschen und erst dann dürfen sie in ihre Gruppe. Sie müssen sich allein umziehen und allein in die Gruppe. So jetzt habe ich sehr selbstständige Kinder die wirklich selten Probleme haben, sich an neue Situationen zu gewöhnen. Ich spreche mit ihnen auch ganz ehrlich über alles und stehe auch dazu, dass ich auch nicht alles so toll finde. Gerade im Moment ist es so wichtig, dass wir alle auch zugeben können. Ich bin keine Epidemiologin oder Virologin, ich bin auch keine Politikerin (zum Glück). Es ist gerade eine Situation in der auch wir Erwachsenen nicht so tun können, als wüssten wir alles. Wir dürfen tatsächlich auch einfach mal zugeben, dass wir gerade keine Ahnung haben wie alles weitergeht, was noch kommt, was wieder besser wird oder auch wieder schlechter...

Wichtig ist allerdings, dass ihr die Kinder nicht allein dastehen lässt. Selbst die Kleinsten bekommen schon jede Menge mit. Wenn ich mir überlege was meine Tochter mit ihren 3 Jahren zwischendurch für Aussagen macht oder Fragen stellt...dann bekomme ich es mit der Angst zutun. Was in ihrem kleinen niedlichen Lockenköpfchen schon alles arbeitet...Versucht ihnen aber auch nicht alles gut zu reden. 

 

Neue Eingewöhnung...na danke

So zurück zum Thema...meine Kinder machen das also sehr gut. Das ist nicht nur auf meine Erziehung zurückzuführen, das ist mir schon klar. Sie sind auch zu zweit und schon länger im Kindergarten. Selbst die Eingewöhnung war bei beiden nie ein Problem. Mein großes Bienchen übernimmt für die Kleine (freiwillig) die Verantwortung wenn ich nicht da bin. Er ist ihr Beschützer, das ist für ihn von Anfang an klar gewesen. Jetzt gibt es eben auch Kinder, die das nicht alles so einfach können. Ganz gleich ob die Eingewöhnung gut lief oder nicht. Unsere Kinder waren über 3 Monate nicht im Kindergarten, hatten so gut wie keinen Kontakt zu ihren Erzieherinnen, waren monatelang wieder an die Mama gebunden und wurden rund um die Uhr umsorgt. Die meisten haben in der Zeit den Vorteil der digitalen Welt kennengelernt. Sie bekommen beim Einkaufen, essen gehen, Eis holen und auf der Straße mit wie noch alle mit Mundbedeckung herumlaufen, ihre anderen Freizeitveranstaltungen finden noch nicht statt, überall muss man sich desinfizieren,...naja ihr kennt das ja alles...und doch sollen sie plötzlich wieder in den Kindergarten. Für die Kleinen waren diese Monate wie Jahre...Zeitgefühl haben sie noch nicht. Jetzt sollen sie plötzlich wieder freudig in ihre eigentlich bekannte Einrichtung, die aber so anders aussieht. Mama und Papa dürfen nun auch nicht mehr mit reinkommen, sie müssen mich an der Türe abgeben und ich muss allein zu meinem Platz gehen. Das ist so ungefähr wie das Gefühl wenn ihr eine neue Arbeitsstelle anfangt. Der erste Tag...ihr kennt niemanden, ihr kennt den Ablauf nicht, wie sind die Kollegen, habe ich überhaupt welche, ist es ein Großraumbüro oder habe ich ein eigenes oder einen Tischnachbar, bin ich unter ständiger Beobachtung oder kann ich frei arbeiten, werde ich hier glücklich, was mache ich in den Pausen, wie macht man wann Pause,...ihr kennt das oder? Bitte sagt jetzt JA, denn sonst komme ich mir blöd vor. Nee quatsch, jeder von uns hat doch ganz oft solche Gedanken und Unsicherheiten. In den seltensten Fällen nimmt dich einer an die Hand und erklärt dir alles oder. 

Das ist jetzt natürlich nur im übertragenen Sinne vergleichbar...das Gefühl der Unsicherheit und Angst ist aber gleich. Sie müssen sich von euch lösen und plötzlich in das Ungewisse gehen. Oft weinen die Kinder bitterlich und schreien nach Mama...das tut unserem Mutterherz unendlich weh und wir würden am liebsten hinterher rennen. Nicht selten fängt die Mutter dann auch an zu weinen und der Weg bis Nachhause ist voller Schuldgefühle und Bedenken. Hat man gute Erzieherinnen erwischt rufen sie einen an und in den meisten Fällen hat das Kind nach 5 min aufgehört und gleich ins Spiel gefunden. Dann ist man beruhigt, aber richtig entspannt nicht. Bekannte haben mir erzählt das sie sich dann immer noch schuldig fühlen, als würden sie ihr Kind wegschicken. 

Es ist auch eine sehr komische Situation...will man den Kindern doch beibringen das sie nicht mit jedem mitgehen und wir immer für sie da sind. Und dann stehen wir da, winken unserem Schützling während es von der Erzieherin festgehalten und abgelenkt wird während es schreit und weint und einfach nur zu Mama zurück möchte..ufff. Was gibt es da für eine Lösung? KEINE! Was ich nur oft in meinen Kursen empfohlen habe...lasst die Eingewöhnung den Papa machen, da fällt der Abschied erstaunlicherweise leichter. In der Situation aktuell nur leider selten umzusetzen.

 

Neue Normalität im neuen Alltag

Warum schreibe ich das dann hier? Naja, wichtig ist eben auch das wir wieder zurück in eine Normalität kommen. In die belächelte "neue Normalität". Ja wir haben Kinder bekommen aus Egoismus und Selbstverwirklichung und haben uns in den meisten Fällen bewusst dafür entschieden. Doch auch wir sind Menschen und dürfen SEIN. Wir haben uns für Kinder entschieden um uns vollkommen zu fühlen, Liebe zu geben, Lieber weiterzugeben, die Familie wachsen zu lassen...jeder hat da seine eigenen Gründe. Doch das heißt nie und nimmer das wir dafür unser ganzes Leben aufgeben, denn wir wollen ihnen ja auch zeigen was Leben ist. Eins der wichtigsten Dinge die wir unseren Kindern beibringen müssen ist die Selbstfürsorge. Wie sollen sie das lernen? Genau, indem wir es vorleben! Bedeutet also: Geht es Mama gut, geht es der Familie gut. Auch wir Mütter haben Zeit für uns verdient. Ganz schön schwer wenn die Kinder rund um die Uhr da sind, das wissen wir gerade nach den 14 Wochen nur zu genau. Also sollten wir die Chance nutzen die Kinder wieder in die Betreuung zu geben. Doch auch für die Kinder ist das absolut sinnvoll. Sie brauchen die Kontakte zu anderen Kindern, ihre Freunde, ihre Feinde, die Konflikte, die Erfolge, die Aufmerksamkeit der Erzieher*innen, andere Impulse, andere Abläufe, das Abgucken von älteren Kindern, das Helfen den Kleinen, das Zusammengefühl. Es hat so viel Mehrwert für alle.

Denn mal ganz ehrlich...soviel Zeit hatten wir noch nie für alles. Sonst sind so viele Freizeitveranstaltungen am Nachmittag und man rennt von Termin zu Termin...das fällt gerade alles weg. Es ist ein sanfter Einstieg in den Alltag...die neue Normalität.