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My home is my castle...oder wie ich langsam zum emotionalen Wrack werde

Es gibt Lockerungen...yeah...nur leider immer noch nicht für mich. Von Woche zu Woche war ich motiviert, ich habe mir eingeredet...wir fangen ja alle wieder bei Null an, keinem geht es gerade besser als dir...

Soooo der Gedanke...

Die ersten Wochen

waren total easy. Ich hab mich auf die Auszeit gefreut und die gemeinsame Zeit mit meinen Kindern genossen, was ich übrigens auch jetzt noch tue. Daran hat sich nichts geändert. Wir haben lang geschlafen, waren lang wach, hatten Spieleabende, haben Stockbrot gemacht, gemalt, gebastelt, alles für Ostern vorbereitet und einfach die Zeit als Familie genossen. Dabei entstand auch die Geschichte mit dem kleinen Corona Virus der auf Reise geht. Die Mitmachgeschichte bei der ihr herzlich gerne mitschreiben könnt und eure Kinder gerne Bilder malen dürfen. Die Geschichte hat uns ganz viel Last genommen. Nach der Geschichte musste ich meinen Kindern abends auch immer noch die Geschichte von der Mama erzählen, die einkaufen geht, mit Mundschutz, Desinfektionsmittel, Abstand und leeren Regalen. Meine Bienchen haben gar nicht genug von dieser Geschichte bekommen, da sie sich diese andere Welt da draußen gar nicht vorstellen konnten. 

Nachdem die Mundschutzpflicht kam wollte auch der Große mal mit einkaufen gehen und so habe ich ihm schnell auch eine Mund-Nasen-Bedeckung (sorry ich glaube so heißt es richtig. Damit ich nicht gleich eine Klage am Hals habe für den falschen Begriff). ER ist mit meinem Mann einkaufen gegangen. Sie kamen zurück und mein Sohn war schwer genervt. Er fand es schrecklich und wolte nie mehr mit. Ich kann das verstehen. Einkaufen ist für mich auf das Mindeste reduziert. Es dient nur noch der Beschaffung von Nahrung und Verbrauchsmaterial...mehr nicht. 

Normal liebe ich einkaufen. Da ich aus dem Lebensmitteleinzelhandel komme, habe ich das Einkaufen genossen. Hier ein wenig gucken, welche Produkte sind neu, wie ist das Konzept des Ladens, macht das Sinn, ist genug Personal dort, sollte der Laden so aussehen oder wäre das machbar ihn ordentlich dastehen zu haben...ja sorry...an einem Punkt in meinem Leben hatte ich mal kurz die Chance auf einen Job bei der Revision. Da wäre ich sehr glücklich gewesen, aber zu dem Zeitpunkt zog mich die Liebe in den Schwarzwald. So ist das Leben.

Kontaktbeschränkungen

waren für uns überhaupt gar kein Problem. Wir hatten ab der Kindergartenschließung keinerlei Kontakt zu irgendwem. Ich hatte es auch nicht für sinnvoll gehalten meine Kinder an dem letzten Montag nochmal in den Kindergarten zu schicken...wofür...damit sie sich auf den letzten Drücker nochmal alles einholen? Nein danke. 

Meine Kurse waren eh abgesagt, ich musste alle Kundinnen vertrösten auf unbestimmte Zeit, Kursgebühren zurückzahlen, laufende Kurse umplanen...kurz gesagt...der Freitag der 13. März war seines Ruhmes sehr würdig geworden. Es war als hätte man mich stückchenweise auseinander gerissen. Eine Nachricht nach der anderen, ein Verbot nach dem anderen...

Passte sehr gut, denn das erste Mal seit 2 Jahren war ich angekommen. Meine Kurse waren durchdacht und geplant, die Kurse waren fast alle ausgebucht, es waren andauernd Anfragen für Workshops da, mein Kursmaterial war vollständig und ich sprudelte über vor Ideen, Motivation und Freude auf alles was kommt. Das soetwas kommt...war nicht geplant.

Nach dem ersten (oder eher zehnten Schock) habe ich an den Kursleiter-Onlinemeetings teilgenommen und allen war klar...das ist der nächste Weg...Onlinekurse

Die Onlinewelt und ich

wir werden keine Freunde mehr. Der laufende Be(e) Baby 2 Kurs ging online weiter und es war eine tolle Erfahrung. Ich war bestärkt und wollte online durchstarten. Also habe ich Umfragen gestartet, mir das passende Equipment zugelegt, einen kostenpflichtigen Account bei Zoom eingerichtet ( da fällt mir ein, dass ich den noch kündigen muss) und Kurskonzepte ausgearbeitet.

Was war das Ergebnis? Wieder nur viel heiße Luft und nix dahinter. So viele haben mich bestärkt und mir zugesagt und dann kam niemand zu den Onlinemeetings. 

Also habe ich für mich beschlossen...es gibt keine mehr. Wisst ihr, für mich ist das auch aufwendig. Ich habe ein Haus mit Garten zu pflegen, zwei Kinder die meine Aufmerksamkeit brauchen und einen Mann, der weiterhin seinem Job nachgehen muss bzw. darf. Und zwar in Vollzeit und nicht im Homeoffice! Bedeutet...ich habe kaum Zeit dazu...

Naja, also keine Onlinekurse für mich. Schnell zogen dann natürlich auch die großen Fitnessstudios und Stars der Sportwelt nach und stellten kostenlos Fitnessvideos online...was sollte ich da noch bieten. 

#wirhaltenzusammen

oder so ähnlich...Hört sich immer super an...wird nur nie umgesetzt. 

Klar ich bin für meine Stadt nicht wichtig. Ich bin nicht so groß das ich Gewerbesteuer zahle, ich bin kein stationärer Betrieb (wobei das auch ein anderes Wutthema ist), ich bin in keiner Gemeinschaft. Ich bin nur die eine, die fast jeder vom Sehen oder vom Namen kennt, aber die nehmen wir nicht wirklich ernst.

Der Frust über die Ignoranz ist bei mir noch viel größer geworden durch Corona. Ich bin nichtmal eine Erwähnung wert, keiner teilt meine Beiträge, ich sehe immer nur die gleichen Namen, die sich gegenseitig unterstützen...#wirhaltenzusammen(wasgenuggeldeinbringtundgenugverbindungenzudennamhaftenmenschenhierhat)

Sorry, aber es tut weh. Seit Anbeginn meiner Zeit in Waldkirch kämpfe ich nur...zuerst privat und nun beruflich...da bleibt die Frage nicht aus...

WAS MACHE ICH FALSCH?

Erste Lockerungen

kommen nach und nach. Natürlich dürfen erst wieder die kleinen Geschäfte öffnen, danach die größeren. Kontaktbeschränkungen wurden gelockert und alle Geschäfte dürfen nun öffnen. 

Jawoll...und los geht die gute Fahrt auf der Corona-Titanic. Habe ich mich so in der Nachbarschaft umgeschaut oder umgehört, gab es Kontaktbeschränkungen nie. Seitdem nun die weitern Lockerungen geäußert wurden (die übrigens erst ab Montag gelten!) scheinen wohl auch Gartenpartys wieder erlaubt. Könnt ihr mich dazu kurz aufklären?

Ich mein...wirklich??? Ich reiße mich seit über sieben Wochen sowas von zusammen mit meiner Familie. Jeden Tag muss ich meinen Kindern aufs Neue erklären, warum alle anderen Besuch von Oma und Opa bekommen nur wir nicht. Wir haben meine Mutter nun seit über 5 Monaten nicht gesehen. Vor Corona habe ich für meine Selbständigkeit jeden Tag geackert und habe jede freie Minute in die Arbeit gesteckt und meine Mutter ist nunmal in einem systemrelevanten Job. Dieses Wort...SYSTEMRELEVANT...kann ich übrigens auch nicht mehr hören. Genau wie Risikogruppe, Virologe, Epidemiologe, Lockerungen,...ach all diese Wörter.

Zuhause geht es uns gut. Wir finden uns als Familie ganz neu und es ist total schön. Meine Kinder sind einfach wunderbare kleine Menschen und ich sehe gerade, dass ich sie ganz toll in ihrer Entwicklung unterstützt habe und weiter werde.

Nur diese Ungerechtigkeiten nerven mich jetzt wirklich...

Die Bundesliga kann wieder starten und die Kinder können die Übertragungen mit uns im Biergarten ansehen

Genau der richtige Ansatz! Ich fand die Arbeit und die schnellen Reaktionen der Politiker auf die akute Lage wirklich beeindruckend. Bisher hatte ich nicht viel Respekt vor Politikern, aber das hat sich in den letzten Wochen geändert...bis jetzt...

Nun gehen wir wieder den selben Weg wie vorher. Gesteuert vom Geld, vom Ansehen, Angst vor Kritik, Angst vor der Wahrheit,...

Kinder gelten als die Gefährdung und werden quasi dem Corona Virus an sich gleichgestellt. Als wären sie kleine Fledermäuse, die diesen Virus dauerhaft in sich tragen und nur darauf warten andere Kinder zu beißen und den Virus zu verbreiten. Klar...Hygiene ist bei kleinen Kindern nicht wirklich zu 100% einzuhalten, aber bleiben wir mal bei der Wahrheit...hält sich da jeder Erwachsene dran? Allein das Konzept des Einkaufens...wir steigen aus dem Auto aus, im Idealfall setzt man sich jetzt seine Bedeckung auf (in der Regel machen es die meisten erst kurz vor der Ladentüre), dann holt man sich einen Einkaufswagen (der natürlich gerade erst von einem anderen dort reingeschoben wurde), geht in den Laden, dort steht ein Spender mit Desinfektion, man desinfiziert seine Hände und schiebt den Wagen weiter (der eben nicht desinfiziert ist), danach kauft man wie gewohnt ein und packt alle Dinge an, die man so benötigt, bezahlt, geht zum Auto (hier wird meist schon die Maske entfernt), man packt die Sachen in die Tüten und in den Kofferraum, geht den Einkaufswagen wegbringen, fährt nach Hause (packt dabei an das Lenkrad und den Schalthebel, das Radio), Zuhause wird alles ausgepackt und in den Schränken verstaut. So...wo waren die Fehler?

 

Nun ja, also kommen wir mal zurück zur Sache. So langsam dürfen also einige Tätigkeiten wieder ausgeübt werden. Kosmetikstudios, Friseure, Nagelstudios und so zum Beispiel, da man da ja den Abstand von 1,5m halten kann oder? Aber Kindergärten und Schulen dürfen nicht öffnen. Die ganzen kleinen Läden in der Stadt, die ich sonst so sehr zu schätzen weiß wegen ihrem Charme, dürfen wieder öffnen, obwohl sie so enge Gänge haben bei denen man sich überhaupt nicht aus dem Weg gehen kann. Wir können den Kindern wieder Spielzeug kaufen und Bastelmaterial, wir können uns wieder Deko kaufen oder einfach mal shoppen gehen, am besten ohne Kinder natürlich. Aber Kindergärten und Schulen dürfen nicht öffnen. Demnächst darf man sich sogar wieder ins Eiscafe setzen, einen Kaffee auf dem Marktplatz trinken oder abends in netter Gesellschaft im Biergarten sitzen und uns endlich wieder die Bundesliga schauen. Damit wir mal wieder ein wenig Ablenkung haben. Mit Sicherheitsabstand und den geltenden Hygienemaßnahmen versteht sich. Aber Kindergärten und Schulen dürfen nicht öffnen. Mit der Bundesliga ist eh der Vogel abgeschossen worden. Der Verbund hat ja anscheinend ein eigenes Labor für Testungen eingerichtet, damit sie die anderen Labore nicht einnehmen. Aus der eigenen Tasche bezahlt...mhm okay...wäre es nicht sinnvoller in Anbetracht der Tatsache, dass die systemrelevanten (ja da ist das Wort wieder) Menschen sich jeden Tag dem Virus aussetzen müssen und auch in Verdachtsfällen nur ganz unregelmäßig getestet werden da es anscheinend zu teuer oder überlastet oder oder ist, Labore zu sponsern die die wirklich wichtigen Menschen testen? Nur mal so als Gedanke... Zudem ist es wieder für die überwiegend männliche Bevölkerung, die sicher nachweislich am meisten leidet unter der aktuellen Situation. Sind sie doch seit Wochen mit den Kindern, dem Haushalt, der Arbeit, der Wäsche, den Hausaufgaben, den Vorschülern, den eigenen Gedanken und Ängsten, keinem Lohnausgleich ganz allein. Das waren doch die Männer oder?

Einfach nur Unwohlsein,

Kopfschütteln und Wut überkommen mich in den letzten Tagen. Wir dürfen so viel und doch nichts richtig. Seit Mittwoch sind die Spielplätze auf und wir haben uns mal gewagt daran vorbei zu gehen. Kopfschütteln.Ich gehe einkaufen, auf dem Parkplatz...kopfschütteln. Wir gehen zum Bäcker und schauen auf den Marktplatz...kopfschütteln. Zurück im heimischen Garten...WUT!

Frohes Lachen, Grillduft, Autos die die Straße vollparken, definitiv mehr als fünf Stimmen von absolut mehr als zwei Haushalten.

Das lässt mich richtig wütend werden. Wir reißen uns hier wirklich seit über sieben Wochen den ... auf und haben außer Zaungesprächen und Onlinetreffen keinen Kontakt zur Außenwelt, da wir diese Sache gerade sehr ernst nehmen. Und ja ich habe Angst! Meine Kinder hatten beide nicht den tollsten und gesundesten Start ins Leben und wer weiß, welche Erkrankungen oder Immunschwächen sie in sich tragen. Mein Sohn ist bei der Geburt fast gestorben, seine Sauerstoffsättigung war fatal niedrig und er musste acht Tage auf der Intensivstation verbringen. Meine Tochter ist ebenfalls unter enormen Stress zur Welt gekommen und hatte gleich mal ein Problem mit dem Herz. Es hieß, das wächst sich raus...hat es das schon? Es war bis jetzt kein Handlungsbedarf meine Kinder den tiefergehenden Tests zu unterziehen und gerade deswegen möchte ich nichts riskieren. Hinzu kommt das Thema mit meiner Mutter, die Altenpflegerin ist und das in Nordrhein-Westfalen. Seit Tagen hängen wir in den Seilen, weil wir nicht wissen ob sie uns besuchen darf oder nicht. Oder dürfen wir sogar zu ihr? Und dann mit Mundschutz und Abstand? Darf sie ihre Enkel und mich dann nichtmal umarmen? Müssen wir alles Bespielte gleich desinfizieren? Ich habe keine Ahnung, jede Aussage ist so schwammig. Und während ich meinen Kindern erkläre, dass Oma wieder nicht kommen darf fahren die Besucher der Nachbarn vor.

Soviel zum Privaten, aber beruflich sieht es auch nicht besser aus. Ich möchte nicht aufgeben, aber ich kann auch gerade nicht kämpfen. Ich sehe bei ganz vielen Kolleginnen den Fortschritt und sie können vereinzelt wieder Angebote geben und das freut mich auch...nur ich kann das nicht. Ich habe weiterhin meine beiden Kinder nicht im Kindergarten, stehe an letzter Stelle für die Notbetreuung (mal abgesehen davon, dass ich meine Kinder aktuell eh nicht schicken wollte,aber rein rechtlich gesehen), mein Mann geht nach wie vor Vollzeit arbeiten und hat gerade sehr unregelmäßige Arbeitszeiten, ich habe keine Alternative zur spontanen Kinderbetreuung...also kann ich nicht arbeiten. Auch nach den letzten Lockerungen habe ich nicht die Illusion, dass meine Kurse gleich ausgebucht sind. Waren doch alle lang genug mit ihren Kindern zusammen, warum dann noch einen Kurs buchen. 

#wirzusammen ist sehr schön gedacht, jedoch stimmt es nicht. Einzelne Gruppen halten gerade sehr gut zusammen  und ich liebe auch die Unterstützung in meinen zahlreichen Gruppen, aber mit diesen Gruppen sind wir auch allein. Ich kann mir aktuell noch so viele Mantrakarten anschauen und versuchen mich positiv zu stimmen...am Ende bleibt dieser Druck im Magen, diese Übelkeit, diese Wut, diese Verzweiflung, diese Angst und tausend Fragezeichen...